Was habe ich vor? Was möchte ich mit diesem Projekt erreichen?

In erster Linie möchte ich einen ganz persönlichen Bericht schreiben über die Erkrankung Fibromyalgie und über mein Leben mit Schmerzen. Mir sind in den vielen Jahren seit meiner Diagnose schon einige Bücher und Zeitungsartikel zum Thema Fibromyalgie in die Hände gekommen, allerdings sind die Berichte von Betroffenen eher rar und schwer zu finden. Meinem eigenen Bedürfnis folgend mich mit Betroffenen und Angehörigen auszutauschen, ist die Idee zu diesem Projekt entstanden. Meine Texte werden autobiographisch und weniger aufklärend sein.

Beim Schreiben ist mir bewusst geworden, dass ich noch mehr Motive für dieses Projekt habe. Am Anfang stand für mich die Krankheit, meine Erfahrungen mit Ärzten, Medikamenten und Kliniken und die Möglichkeit darüber zu berichten im Vordergrund. Inzwischen hat sich mir offenbart, dass das Schreiben für mich eine Form der Selbsttherapie darstellt. Ich habe angefangen zu schreiben und hatte gleichzeigt Angst vor der Größe und dem Ausmaß dieses Projekts. Das ist zu groß! Das schaffe ich nicht! Dennoch habe ich angefangen und ich bin von vielen lieben Mitmenschen zu diesem Projekt ermutigt worden. Die anfänglichen Ängste und Sorgen sind einer Freude am Schreiben gewichen. Mit jedem Beitrag und jeder Seite, die ich schreibe verbinde ich mich mit mir, mit meinem Leben als Fibromyalgie – Patientin und mit meinen Schmerzen. Es ist wie eine Spurensuche. Die Frage „Warum ich?“ werde ich nie zufriedenstellend beantworten können, aber vielleicht gelingt es mir die vielen Puzzelteilchen zu einem Ganzen zusammen zu fügen.

Immer Schmerzen zu haben kann sehr deprimierend sein und ich kenne die Lebensphasen, in denen ich das Gefühl hatte nur noch aus Schmerz zu bestehen, sehr gut. Dieses Gefühl wird mich nie verlassen und ich muss stets damit rechnen, dass es mich wieder erwischt. Ich habe häufig unter Depressionen gelitten, habe alle möglichen Schmerzmedikamente genommen und mich nicht mehr als Menschen, sondern nur noch als Patienten wahrgenommen. Mit dreißig Jahren habe ich meine erste Psychtherapie gemacht, weil es hieß meine Schmerzen seien psychosomatisch. Wie viele Menschen mit der Diagnose Fibromyalgie habe ich einen langen Leidensweg hinter mir.

Aber was macht mich und mein Leben aus? Gibt es nur die Fibromyalgie oder auch noch ein anderes schönes lustvolles Leben?

Ich möchte allen Betroffenen zeigen, dass es sich lohnt sich mit den Schmerzen auseinander zu setzen, sich mit ihm anzufreunden und als einen Teil des eigenen Daseins anzunehmen. Meine Schmerzen sind immer da, sie sind nie weg. Ein Leben ohne Schmerzen kenne ich nicht, ich weiß nicht, wie sich das anfühlt schmerzfrei zu sein. Klar würde ich das gerne wissen! Wie denkt, fühlt, lebt ein Mensch ohne Schmerzen? Ich muss meinen Schmerz immer mit denken. Wenn ich zum Beispiel vereise, kann ich das nicht, ohne alle notwendigen Medikamente und anderen Hilfsmittel, die ich bei einer Schmerzattacke dringend brauche, mit zu nehmen. Sogar ein Kino – oder Museeumsbesuch geht nicht, ohne meine kleine Schmerzapotheke. Bin ich mit einer Gruppe unterwegs, muss ich möglicherweise kommunizieren, dass ich nicht so mobil bin und ich ein Handicap habe. Damit stoße ich nicht immer auf Verständnis.

Wie mein Leben aussieht und wie es gelingen kann ein glückliches und zufriedenes Leben zu leben? 

Welche  Hausmittel können hilfreich sein und mit welchen Methoden können die Selbstheilungskräfte angeregt werden?  Wie lerne ich Unterschiedlichkeit meiner Schmerzattacken wahrzunehmen und entsprechend damit um zu gehen?  Ist das praktizieren von Yoga und Meditation ein wirksamer Weg? Und was ist mit Sport? Was heißt eigentlich Schmerztherapie und Schmerzbewältigung? Was darf ich essen und was nicht? Gibt es eine bestimmte Ernährungsweise, die ich einhalten muss? Gibt es in der Behandlung der Fibromyalgie Richtig und Falsch?

„Ich versuchte meine Schmerzen zu ertränken, aber diese Bastarde haben gelernt zu schwimmen, und jetzt bin ich erschöpft durch dieses leichte und gute Gefühl.“

(Kurt Tucholsky)