In dem vor kurzem von mir veröffentlichten Beitrag Warum habe ich Fibromyalgie?“ bin ich der Frage nach einer möglichen Ursache für Fibromyalgie nachgegangen. Ich habe dabei alle meine bisherigen Beiträge außer Acht gelassen, die ich zu dem Thema bereits geschrieben habe. Erst im Nachhinein ist mir klar geworden, dass die Frage nach der Ursache missverstanden worden ist.

Ich versuche zwischen Ursache und Grund zu unterscheiden: im Umgang mit den Schmerzen, die ja bekanntlich bei der Fibromyalgie kommen und gehen und nicht selten täglich die Körperregion wechseln oder nach sportlicher Betätigung schlimmer werden und auch deshalb unberechenbar sind, nach dem Grund für die Schmerzen zu fragen, macht für mich nicht viel Sinn. Meine Schmerzen werden von vielen Faktoren beeinflusst, das Wetter spielt eine wichtige Rolle, ebenso die Ernährung, manchmal ist es auch nur eine falsche Bewegung oder eine Nacht auf einer schlechten Matratze, weshalb ich plötzlich wieder starke Schmerzen habe. Ich könnte die Liste endlos weiterführen. Inzwischen habe ich mir abgewöhnt nach den Gründen/dem Grund zu fragen. Es ist wenig hilfreich, wenn ich mich bei jedem Schmerzschub frage: „Was hat den Schub ausgelöst? Habe ich was Falsches gegessen? Oder war ich gestern zulange auf dem Geburtstag? Hätte ich das eine Glas Wein nicht trinken sollen?“ Im Endeffekt geht es dabei immer um die Frage: „Was habe ich jetzt wieder falsch gemacht?“ Das kann nicht gut sein! Ich bin sogar der Meinung, dass solche Gedanken zusätzlich Stress verursachen und krankmachen.

Was mir im Umgang mit meinen Schmerzen hilft, sind einfache Dinge, die ich zur Schmerzlinderung nutze, wie zum Beispiel heiße Duschen, Selbstmassagen, sanftes Yoga, Meditation oder einfach schöne Musik hören. Speziell beim meditieren entstehen positive Gedanken und Gefühle, so dass es mir trotz Schmerzen emotional meistens gut geht. Den Grund für meine Schmerzen hinterfrage ich kaum, damit gehe ich pragmatisch um.

Hingegen bei der Frage nach der Ursache für die Fibromyalgie, sehe ich mich konfrontiert mit allem, was mich als Person ausmacht, wozu selbstverständlich meine Kindheit gehört, sowie die Gegenwart. Im meinem Beitrag habe ich mich vor allem auf die eine Frage konzentriert: Kann ein angespanntes und emotional belastendes Familienklima krank machen? Oder anders gefragt: können kindliche Traumata und/ oder eine frühkindliche Belastung die Ursache für Fibromyalgie sein? Diese Fragestellung kommt aus einen persönlichen Kontext, weshalb ich zwei drastische Beispiele aus meiner Kindheit beschrieben habe. Nachdem ich den Beitrag veröffentlicht habe, wurde dieser heftig diskutiert und kommentiert. Hauptkritikpunkt war, dass ich meine Vergangenheit verantwortlich mache für die Fibromyalgie und damit alle Menschen mit Fibromyalgie in die „PsychoSchublade“ stecke.

Ich gebe zu, dass ich eine Vertreterin der Psychotherapie bin, aber genau gegen dieses Vorurteil, die Fibromyalgie sei eine psychosomatische Erkrankungen setzte ich mich vehement zur Wehr. Zwar möchte ich auf meine Erfahrungen mit Psychotherapie und Schmerztherapie nicht verzichten, weil das für mich im weitesten Sinne Bildung ist. Auch bin ich der festen Überzeugung, dass ich nicht gesund werden kann, solange nur die Symptome behandelt und die psychischen Probleme ignoriert und verdrängt werden. Aber das ist mein Umgang mit Krankheit und nicht allgemein gültig. Denn eins hat mich die Fibromyalgie gelehrt, sie ist sehr individuell, nicht nur die Symptome, sondern auch Ursache und Auswirkung sind von Patientin zu Patientin unterschiedlich. In diesem Sinne gibt es bisher weder „die Therapie“, noch „die Ursache“, weshalb eine Patientenschulung oder – Training Sinn macht. Eine Behandlung der Fibromyalgie ist im besten Fall individuell abgestimmt auf den einzelnen Menschen.

Mit meinem Beitrag wollte ich darauf aufmerksam machen, dass neueste Studien aus dem Bereich der Psychoneuroimmunologie den Beweise dafür erbringen, dass eine frühkindliche Belastung nicht nur psychosomatische Erkrankungen verursachen kann, sondern auch nachweislich physische Schädigungen nach sich ziehen. Was heißt das konkret? Soll das heißen, dass alle Menschen mit einem Trauma im späteren Leben krank werden und Fibromyalgie bekommen? Diese Art von Kausalzusammenhänge gibt es wohl eher nicht, aber das Risiko an einer Fibromyalgie zu erkranken, um nur ein Beispiel zu nennen, ist erhöht. Und ist es nicht interessant, dass die Studien Hinweise für Nervenschädigungen, sowie Zellveränderungen belegt haben? Im Grunde ein ähnliches Ergebnis der, den meisten Mitmenschen mit Fibromyalgie bekannten, Studie der Universität Würzburg von 2013 zur Fibromyalgie, im Rahmen derer eine Schädigung der kleinen Nervenfasern bei Menschen mit Fibromyalgie, festgestellt wurde. Diese Studie ist insofern bahnbrechend, weil sie einen Beweis dafür liefert, dass die Fibromyalgie von Medizinern nicht mehr als rein psychogene Erkrankung stigmatisiert werden kann. Das Fibromyalgie – Syndrom zu diagnostizieren ist dadurch leichter geworden, da es objektive klar messbare Kriterien gibt.

Ungeklärt ist allerdings nach wie vor, was die Schädigung der kleinen Nervenfasern verursacht.

In der sog. Leitlinie von 2017 wird dementsprechend Fibromyalgie als eine „nicht – organische – Erkrankung“ bezeichnet und als Therapieansatz soll der Arzt/ die Ärztin der Patientin die psychophysiologische Zusammenhänge erklären, womit nichts anderes gemeint ist, als der Teufelskreis von Schmerz und Stress. Die Ursache für Fibromyalgie gilt immer noch als unbekannt. Interessant ist, das neben verschiedener anderer Faktoren, immer auch die frühkindliche Belastung durch ein Trauma als ein möglicher Auslöser genannt wird.

Meine Hoffnung ist, dass möglichst bald aus beiden Forschungssträngen eine Erfolg versprechende medizinisch therapeutische Behandlung entwickelt werden kann.