Positiv bleiben mit einer Krankheit wie Fibromyalgie ?

Mit Fibromyalgie positiv bleiben ist keine leichte Übung

Eigentlich bin ich ein optimistischer Mensch und trotz Fibromyalgie positiv bleiben, das ist mein Motto. Im Moment fällt mir das nicht leicht. In meinem Alltag versuche mich jeden Tag über kleine zu Dinge freue und am Ende des Tages rufe ich mir einen Moment in Erinnerung, der besonders schön war oder mich glücklich gemacht hat. In schwierigen Situationen und bei Rückschlägen konzentriere ich mich auf eine Lösung und wenn ich keine für mich finden kann, hole ich mir einen professionellen Rat. Das war nicht immer so! Besonders in Krisen oder bei Konflikten, haben mich meine negativen Gedanken nicht mehr losgelassen. Dann fing das Grübeln an und ich konnte die kreisenden Gedanken nicht mehr stoppen. Gleichzeitig sind für mich Gefühle wie Trauer, Wut und Angst fast nicht aus haltbar gewesen und ich habe sie so gut es ging verdrängt. Das Ding ist, man merkt selber nicht, wie man dadurch schrittweise in eine Depression rutscht. Es ist enorm wichtig, dass man sich seiner Ressourcen bewusst ist, um im Zweifelsfall darauf zurück greifen zu können.

Die Coronakrise ist eine extreme Ausnahmesituation, die uns alle in eine noch nie dagewesene Krise wirft. Ob es mir gelingt auch jetzt positiv zu bleiben?

In der Coronakrise positiv bleiben

In meinem Blog Beitrag „Fibromyalgie und Corona“ habe ich beschrieben, wie es mir in den ersten Wochen des „Lockdowns“ erging. Als die Pandemie und das Ausmaß bekannt wurde, war das zunächst hochgradiger Stress für mich. Meine sonst so optimistische Art ging mir kurzfristig verloren, bis ich gemerkt habe, dass ich gerade weil ich Fibromyalgie habe, versuchen muss positiv zu bleiben.

Nach einigen Tagen ist es mir gelungen den Lockdown nicht mehr als bedrohlich und beängstigend zu empfinden. Im Gegenteil, ich habe diese völlige Ruhe in der ganzen Stadt genossen und zwar mit jedem Tag mehr.

Andererseits fand ich mein Gefühl und den Gedanken, der Situation könne man etwas positives abgewinnen, unanständig, in Anbetracht der menschlichen Katastrophen, die rund um den Globus und auch hier bei uns in Deutschland geschahen. Darf man einen Zustand genießen, der für andere Menschen Krankheit und Tod bringt? Muss ich mich nicht schämen bei all dem Elend? Existenzen sind bedroht, die häusliche Gewalt nimmt zu, Familien mit Kindern werden alleine gelassen, tausende Menschen leben vom Kurzarbeitergeld und müssen um ihre Arbeit bangen, Ärzte und das Pflegepersonal arbeitet am Limit und dir geht es gut?

Aber ich gebe es zu: für mich war die Zeit des strengen Lockdowns ein Geschenk und ich konnte viele Vorzüge entdecken! Beim Einkaufen im Supermarkt habe ich mich noch nie so wohl und entspannt gefühlt. Meine Sinne sind schnell überreizt und einkaufen kann für mich Stress bedeuten. Und ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass ich die Einzige bin, der das so geht. Vor einiger Zeit las ich einen Artikel über eine neuseeländische Supermarktkette, die eine wöchentliche „Quiet Hour“ eingerichtet hat, um zum Beispiel Menschen mit Autismus ein entspanntes Einkaufen zu ermöglichen. Was für eine tolle Idee!

Und auch der verminderte Verkehr und der eingestellte Flugverkehr ist ein Segen. Auf meinem täglichen Sparziergang durch den Kiez fällt mir auf, dass die Vögel viel besser zu hören sind. Alles ist grün und die Blumen und Blüten an den Bäumen verströmen ihren intensiven Duft. Die Luft scheint rein und klar zu sein. Auf diese Weise rückt die Natur näher und ist direkter und intensiver wahrnehmbar. Für meine Sinneswahrnehmung ist das Erholung pur. Und so fällt es mir auch in der Coronakrise nicht schwer trotz Fibromyalgie positiv zu bleiben.

„Seit ein paar Wochen kann man riechen, dass sich da etwas verändert – und messen lässt es sich auch. Die Luftqualität hat sich in den Gebieten mit Ausgangssperren deutlich verbessert. Das belegen Daten der Europäischen Weltraumbehörde ESA, deren Satelliten die Stickstoffdioxidwerte in Europa gemessen haben. Demnach ist die Luftverschmutzung im Vergleich zu 2019 in einigen europäischen Städten um mehr als 45 Prozent zurückgegangen. In Paris atmen die Menschen aktuell rund die Hälfte weniger Stickstoffdioxid ein als vor dem Lockdown. Und auch in Deutschland werden geringere Werte gemessen. An einigen Orten sank die Belastung durch Stickstoffdioxid um bis zu einem Drittel. Die Gründe sind klar: Wird weniger Auto gefahren und Kohle verbrannt, verbessert sich die Luftqualität. Einen besonderen Beitrag zur Luftreinhaltung leistet übrigens der weitgehend stillgelegte Flugverkehr. Die besonders gefährliche Feinstaubbelastung mit ultrafeinen Partikeln (UFP), die häufig aus den Düsen der Flugzeuge kommen, sank um mindestens 40 Prozent. Das ist bislang einmalig.“

Quelle: „Der Lockdown rettet Leben durch frische Luft“ von Kai Niebert/ Die Zeit 06.05.2020

Morgens beim Wach werden liege ich oft eine Weile in meinem Bett und finde es herrlich keine Termine zu haben. Nichts treibt mich dazu nach Draußen zu gehen, auch nicht die ständige Verführung oder das Gefühl etwas zu verpassen. Statt dessen habe ich das Gefühl ich kann meinen Zimmerpflanzen beim Wachsen zusehen. Jeden Tag entdecke ich ein neues kleines Blättchen oder einen kleinen Sprieß. Der Lockdown hilft mir achtsamer zu sein!

Meinen Zimmerpflanzen beim Wachsen zuzusehen beruhigt mich sehr
Ich kann meiner Zimmerpflanze beim wachsen zusehen

Ich bin nicht allein, auch anderen Menschen finden positive Aspekte an der Krise

In meinem Umfeld höre ich von immer mehr Menschen, denen es so geht. Meine Freund*innen und meiner Familie geht es ebenso wie mir oder ähnlich. Nach der ersten Unsicherheit und großen Ängsten fangen sie an die Entschleunigung, von der jetzt viele reden, zu genießen.

Ein Bekannter von mir arbeitet im Tempodrom und ist ein passionierter Clubgänger Er liebt es in Bars zu gehen und zu Festivals. Ich habe fest damit gerechnet, dass er leiden wird und seine Laune immer schlechter wird. Aber auch er genießt die viele Zeit zu Hause, geht „virteull“ in den Club tanzen und hat das Gefühl endlich zur Ruhe zu kommen. Er bekommt das Kurzarbeitergeld, aber damit kommt er gut klar und für ihn ist es ein bisschen wie „früher die Schulferien“

Eine Freundin von mir ist jetzt viel mit ihrem zweijährigen Sohn alleine zuhause. Ihr Mann arbeitet und sie bekommt Kurzarbeitergeld. Das Geld ist knapp, aber nach einigen Wochen hat sie festgestellt, dass sie enorm viel Geld gespart haben und möchte das auch in den Zeiten nach Corona beibehalten. Sie hat ein Haushaltsbuch angelegt und foodsharing für sich entdeckt.

Eine andere junge Frau, mit der ich sprach, hat durchaus ein „Rauf und Runter“ der Gefühle erlebt. Aber dabei ist ihr bewusst geworden, wie anstrengend ihr Beruf ist. Sie arbeitet in der Gastronomie und wollte sich in dem Bereich weiter entwickeln. Jetzt hatte sie endlich Zeit und Ruhe, um sich Gedanken zu machen, ob das langfristig wirklich das Richtige für sie ist. Sie hat eine Alternative gefunden und will sich zum Wintersemester für ein Studium bewerben. Zu mir sagte sie : „Ohne Corona wäre das nicht möglich gewesen!“

Heute las ich in der zeitonline, dass in der täglichen Umfrage der Zeit, die seit drei Jahren durchgeführt wird, ein ähnlicher Trend zu erkennen ist. Es gibt Menschen, denen geht es in der Krise besser, als vorher.

Und zum Schluss noch eine Corona bedingte Veränderung, die mein Leben unglaublich bereichert. In meinem Bedürfnis nach kulturellen Events wie Theater, Kino oder Konzerte bin ich durch die Fibromyalgie extrem eingeschränkt. Jetzt habe ich die Möglichkeit von zu Hause aus Theateraufführungen oder ein Konzert zu sehen. Sogar Museumrundgänge kann ich auf dem Sofa liegend machen. „Das ist doch nicht das selbe, als wenn man live dabei ist!“ werdet ihr wahrscheinlich denken. Aber für mich ist es sehr viel besser, als gar nicht daran teilnehmen zu können und sich immer ausgeschlossen zu fühlen!!!!!

Hier habe ich ein paar Tips für euch gesammelt, darunter sind zwei amüsante „Corona- Serien“, Ich musste viel lachen und das ist, was wir alle brauchen, um weiterhin positiv zu bleiben.

„Bleibt gesund“ und „Stay healthy “ ist das neue „Tschüß “

https://www.komische-oper-berlin.de/online-spielplan

https://www.schaubuehne.de/de/seiten/online-spielplan.html

https://www.zdf.de/serien/drinnen-im-internet-sind-alle-gleich

https://www.zdf.de/serien/liebe-jetzt

https://www.radioeins.de/musik/wohnzimmerkonzerte/

rbb Museumsrundgang

Lockdown - Berlin - Corona
Bleibt gesund – bleib psoitiv

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