Triumphbogen - Ojai

Mit Fibromyalgie Fahrrad fahren

Fahrrad fahren war bis vor kurzem wegen meiner Fibromyalgie unglaublich anstregend

Mit meiner Fibromyalgie Fahrrad zu fahren und mich dabei gut zu fühlen, ist ganz neu für mich. Ich bin mit meinem neuen Fahrrad auf dem Tempelhofer Feld unterwegs und fühle mich trotz meiner Fibromyalgie und meiner Schmerzen leicht und geschmeidig. Rechts und links von mir sind große Wiesen, die Sonne scheint und ich genieße die Weite. Am Horizont ist der Fernsehturm zu sehen und trotz vieler Menschen, die hier spazieren gehen, Sport machen oder auch Fahrrad fahren, ist es weitläufig und fast leer. Fahrrad fahren macht mich glücklich – neuerdings!

Denn bevor ich mein E – bike, genau genommen Pedelec, hatte, war es mir kaum noch möglich ein normales Fahrrad zu benutzen. Es war für mich eine einzige Qual. Die Beine sind zu schwach, meine Arme und Hände tun mir weh und nach einer kurzen Strecke bin ich derart erschöpft, dass ich mich mehrere Stunden ausruhen und hinlegen muss.

Meine Familie würde sagen: „Das war früher aber anders! Du bist doch immer Fahrrad gefahren“.

Eine Fahrradtour wird zur Qual

Meine ursprüngliche Heimat ist der Niederrhein. Hier bin ich geboren und hier haben mir meine Eltern das Fahrrad fahren beigebracht. Und hier haben wir unzählige Fahrradtouren mit der Familie unternommen. Ich bin also sozusagen mit dem Fahrrad groß geworden. Ich war ungefähr sieben Jahre, als mir bewusst wurde, dass ich nicht die Ausdauer und Kraft hatte, wie meine Geschwister oder Cousinen. Für mich endete jede Tour mit Schmerzen und Erschöpfung. Manchmal quälte ich mich auf den letzten Kilometern kraftlos nach Hause, immer mit dem Gefühl es nicht mehr zu schaffen. Dass als Ursache die Fibromyalgie dahinter stand, wusste damals niemand.

Als Jugendliche fuhren meine Freund*innen und ich im Sommer häufig zu einem Badesee. Er war nur zehn Kilometer von unserem Dorf entfernt und trotzdem konnte ich mich auf dem Rückweg kaum auf dem Fahrrad halten. Ich habe mich deshalb immer geschämt und an mir selber gezweifelt. Entweder wurde ich ausgelacht und gehänselt oder mir wurden Vorschläge gemacht wie: „Du musst einfach mehr Sport machen, melde dich doch mal in einem Verein an! „

Hier in Berlin bin ich bis vor zwei Jahren ziemlich viel Fahrrad gefahren, denn eigentlich macht mir Fahrrad fahren Spaß und damit war ich nicht so sehr auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Allerdings bin ich nur kurze Strecken gefahren, zum einkaufen und zum Arzt, in den Park oder am Landwehrkanal. Wenn mein Mann mal gemeinsam mit mir zum Tempelhofer Feld fahren wollte, musste ich oft passen. Zu viel Wind, zu weit weg (das Feld ist 2 km weit von unserer Wohnung entfernt) und zu anstrengend. Aberwitziger Weise hat mein Umfeld immer noch den Eindruck ich sei topfit. Nachbar*innen und Freund*innen sehen mich dem Fahrrad fahren und nicht wenige denken wahrscheinlich „Ich weiß gar nicht, was sie hat? Sie fährt viel Fahrrad und sieht gesund aus, so schlimm kann es ja wohl nicht sein!“

Ich war immer stolz, das ich trotz Fibromyalgie Fahrrad fahren konnte

Dann kam vor zwei Jahren der Bandscheibenvorfall und ein halbes Jahr später ein Wirbelgleiten und seit dem war für mich nicht mehr ans Fahrradfahren zu denken.

Auf einer Geburtstagsfeier traf ich eine Bekannte, die sich gerade ein Pedelec gekauft hatte und total begeistert war. Diese junge Frau hat jahrelang selbst im Fahrraladen gearbeitet und fuhr jeden Tag mehr als 25 Kilometer zur Arbeit und wieder zurück. Sie hat sich über alle möglichen Vorurteile gegenüber Pedelecs, von wegen das sei nur etwas für Rentner, hinweg gesetzt und kam richtig ins schwärmen, sobald sie von ihrem neuen Fahrrad sprach.

Mich hat der Gedanke an ein Pedelec nicht mehr los gelassen. Ich fing an viele Tests zu lesen und wollte auch wissen, was an den Vorurteilen dran ist. Dabei habe ich viele Artikel gefunden, die belegen, dass das Fahren mit einem Pedelec genauso die Gesundheit fördern, wie das Fahren von normalen Fahrrädern. Und gerade für Menschen mit einer chronischen Erkrankung oder Behinderung ist ein e – bike eine tolle Alternative.

Nachdem ich so viel gelesen hatte und noch neugieriger wurde, dachte ich ernsthaft daran mir ein Pedelec anzuschaffen, wenn die Räder doch nur nicht so irre teuer wären? Meine Entscheidung sollte aber kein „Schnellschuß“ aus einer Laune heraus sein. Ich habe mir dann für drei Tage ein Pedelec ausgeliehen. Nach der ersten Runde mit dem Leihrad wurde aus „ich denke über einen Kauf nach“ ein „ich muss ein Pedelec“!

Selten hat mich eine Anschaffung so glücklich gemacht

Mitte April letzten Jahres habe ich mitr dann ein Pedelec gekauft und ich kann sagen, dass es meine Lebensqualität erheblich verbessert und mir meine Mobilität wieder gegeben hat. Jetzt bin ich auch wieder in der Lage, jedenfalls wenn ich rückenmäßig gute Tage habe, zehn Kilometer oder mehr zu fahren. Ich kann Ausflüge machen und mit dem Fahrrad alle meine wichtigen Ziele, wie meine Ärzt*innen und Therapien, erreichen. Mein Glücksgefühl beim fahren ist überwältigend! Es tut mir extrem gut mich an der frischen Luft bewegen zu können und zwar gemeinsam mit meinem Mann, der darüber auch mehr als glücklich ist. Die Bewegungsart ist gut für meine Fibromyalgie und meinen Rücken. Es ist eine meiner besten Entscheidung meines Lebens!

Fahrrad fahren in Zeiten von Corona

Seit dem Lockdown umd den Hygienevorschriften bin ich nicht mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren und bin extrem dankbar dafür mit meinem Pedelec auch nicht darauf angewiesen zu sein. Jetzt macht Fahrrad fahren noch mehr Spaß, weil der Autoverkehr abgenommen hat und auf den Berliner Straßen geht es viel entspannter zu. In Kreuzberg sind vor vier Wochen die ersten sogenannten „Po-up-bike-lanes“ , also temporäre Radwege entstanden, die auch Fahrradfaher*innen den Mindestabstand einzuhalten ermöglicht. Inzwischen gibt es diese provisorischen Fahrradwege in einigen anderen Stadtbezirke. Darüber hinaus ist dieses Projekt europaweit bewundert worden und ist zu einem Vorbild für Städte wie Paris und Mailand geworden. Ich finde die Idee und die schnelle Umsetzung genial. Hiesige Fahrradverkehrsexperten gehen davon aus, das die temporär eingerichteten Radwege zukünftig in bleibende umgewandelt werden.

Herrlich! Das ist zwar erst ein Anfang, aber immerhin. Es ist erstaunlich, dass in so kurzer Zeit etwas umgesetzt werden kann, was sonst oft Monate oder Jahre dauert.

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