Missmutig und schlecht gelaunt google ich mich durch das halbe Internet auf der Suche nach hilfreichen Beiträgen zum Thema Bandscheibenvorfall, bis ich das frustriert abbreche. Die verschiedenen Beiträge geben mir nicht das Gefühl von Klarheit und Sicherheit, sondern verunsichern mich noch mehr.

Gelangweilt schaue ich mir meine eigenen Blogbeiträge an, was mich noch mehr frustriert. Im letzten Jahr habe ich kaum neue Beiträge veröffentlicht. Ich habe immer wieder mit verschiedenen Themen zu schreiben begonnen, bin aber nicht in Fluss gekommen oder wurde schlicht und ergreifend ausgebremst. Entweder durch die chronische Erschöpfung, die mit meiner Fibromyalgie einhergeht. Oder durch eine Reihe von schmerzhaften Erkrankungen, die ich noch zusätzlich zur Fibromyalgie erleiden durfte. Zuerst kam der Fersensporn, dann eine Entzündung in der Gelenkkapsel in der Schulter und jetzt auch noch einen Bandscheibenvorfall. Alles in allem war das Jahr 2018 für mich ein schmerzhaftes Jahr, physisch, sowie emotional. Denn der Tod meines Vaters im Januar 2018 brachte große Veränderungen mit sich und hat in mir ein übergroßes und zum Teil auch unangebrachtes Bedürfnis geweckt, mich um meine Mutter kümmern zu wollen. 

Anscheinend hat mich dieses Konglomerat verschiedener Belastungen in meiner Schreiblust blockiert. Zwischendurch habe ich mich immer wieder bei dem Gedanken erwischt, das Schreiben aufgeben zu wollen. Ich hatte Phasen, in denen ich gedacht habe, dass es sich nicht lohnt so viel Energie dafür zu verwenden. Energie, die ich für was anderes benötige und zwar für meine Genesung. Immer wieder hatte ich auch das Gefühl das Schreiben lohne sich nicht, da ich zu wenig Menschen erreiche und kaum Feedback bekomme. Und trotzdem habe ich mir gesagt: „Hey, mach weiter! Mach was daraus, teile dich mit, gib nicht auf, du hast doch noch so viel zu sagen!“. Was mich aber wirklich selber erstaunt hat und mich motiviert weiterzumachen, habe ich zwei Ereignissen zu verdanken. Das eine ist die Auszeichnung zum „Top Rheuma Blog“, die ich letztes Jahr bekommen habe. Und das andere Ereignis ist eine Anfrage von einer Journalistin der Frauenzeitschrift Donna für ein kurzes Interview. Leider ist es nicht zu diesem Interview gekommen, da ich die Anfrage übersehen habe. Allerdings hat es mich sehr berührt und gefreut.  Anscheinend hat mein Blog eine gewisse Präsenz im Internet, derer ich mir gar nicht bewusst bin. 

Während ich diesen Text schreibe, liege ich in der SOS Haltung auf dem Boden, um meinen Rücken zu schützen und Schmerzen zu lindern. Noch vor ein paar Tagen war ich wegen einem Bandscheibenvorfall im Krankenhaus. Zum Glück geht es mir inzwischen wieder besser. Erfreut stelle ich fest, dass ich Lust habe zu schreiben. Ähnlich wie am Anfang, als ich zu schreiben anfing, sprudeln wieder die Ideen für bestimmte Themen. Ich fühle mich nämlich ganz schlecht, wenn ich eigentlich schreiben möchte, mich mitteilen möchte und gleichzeitig keine Ideen habe. Ich fühle mich auch ganz schlecht, wenn ich weiß, dass ich meine Leser*innen im Stich lasse. Ideen zu bekommen und wieder zu wissen, wo es lang geht, was ich sagen will, fühlt sich sehr gut an. 

Meine Themen sind vielleicht weniger schön und unterhaltsam, dafür nicht minder interessant und wichtig. Alles dreht sich um krank sein und so wie in meinen anderen Texten auch, wie ich damit umgehe. Wie geht es mir damit? Kann ich dem etwas entgegensetzen? Und gibt es in meinem Leben auch Momente, in denen ich glücklich und zufrieden bin? Das letzte Jahr war schwer und hat mich in jeglicher Hinsicht zurückgeworfen. Ein Rückblick zeigt mir jedoch, dass es unendlich viele schöne Situationen und Ereignisse gegeben hat. 

Heute möchte ich euch die Story ” Bandscheibenvorfall” erzählen und davon, was ich in den letzten 14 Tagen erlebt habe. Ich will euch aber nicht mit ausführlichen Beschreibungen über den Bandscheibenvorfall langweilen und versuche mich kurz zu fassen. Ich habe aber einen link zu einem Blog für euch, der alles um das Thema Bandscheibenvorfall gut beschreibt.

Was ich aber unbedingt los werden möchte, ist mein Entsetzten über die unglaubliche Arroganz und Interesselosigkeit, die mir in einer Phase der absoluten Hilflosigkeit begegnet ist und wie sehr das mein emotionales und gesundheitliches Befinden negativ beeinflusst.

Ich will über mein Geschichte schreiben, weil ich weiß, dass ich keine Ausnahme bin und es häufig Menschen mit einer chronischen und unsichtbaren Krankheit trifft. Nicht selten fühlt man sich als Patient*in den Ärtz*innen gegenüber machtlos und ist ihnen hilflos ausgeliefert. 

Mit meinen Rückenschmerzen habe ich schon seit mindestens einem halben Jahr zu tun. Jetzt scheint aber etwas Schlimmes passiert zu sein, denn diese Schmerzen kenne ich nicht. Tag und Nacht quäle ich mich mit einem Schmerz im rechten Bein, vor allem dem Knie. Ein Schmerz, der mich komplett niederstreckt, es geht nichts mehr. Und das ausgerechnet am Wochenende. Der Notarzt kommt und macht nichts! Ich soll weiterhin Iboprufen und Novaminsulfon nehmen. Montagmorgen sitze ich endlich einer Ärztin gegenüber, glücklich dass ich es überhaupt geschafft habe unter heftigsten Schmerzen hier zu sein, werde aber nach fünf Minuten wieder nach Hause geschickt. Meine Ärztin, die mich seit 10 Jahren kennt und Facharzt für Schmerztherapie ist, hat nichts anderes im Petto als mal wieder mit Tilidin zuwinken. Und das, obwohl ich ihr schon mehrfach gesagt habe, dass ich dieses Medikament nicht nehme. Meine Gründe kennt sie auch. Daraufhin hat sie mir Tramadol verschrieben und es tut mir leid, aber wenn einer Fachärztin für Schmerztherapie nicht mehr einfällt, dann frage ich mich, wo steht die medizinische Forschung und Versorgung im Bezug auf chronischen Schmerz? Ich bin jedenfalls mit meinem Schmerzen und den Medikamenten wieder nach Hause gegangen. Geholfen haben die Tabetten natürlich nicht, im Gegenteil es ist alles noch schlimmer geworden! 

Mein nächster Besuch war der Orthopäde, der mir außer einer Verordnung für ein MRT auch nichts anderes gab. Zum Glück bekam ich recht schnell einen Termin zum MRT. Meine letzte Hoffnung ist ein Wirbelsäulenzentrum, bei dem ich mir zufällig schon vor Wochen besorgt hatte. Man kann ja immer wochenlang auf einen Termin warten. In einem  Akutfall steht man da einfach auf dem Schlauch. Gut, dachte ich mir, das passt ja hervorragend. Das sind Spezialisten, wo sonst kann mir geholfen werden, wenn ich da. Inzwischen habe ich einfach das Gefühl ich bin zu naiv. Ich war nicht darauf vorbereitet wieder einmal einem Arzt gegenüber zu sitzen, der sich maximal zwei Minuten mit mir befassen wollte. Null Empathie und total arrogant. Er hat mich nicht untersucht und obwohl ich inzwischen einen MRT Befund von der Lendenwirbelsäule, sowie vom Knie bei mir hatte, hat er mir keine Diagnose genannte, sondern kommentarlos  Spritzen verordnet, dessen Wirkungsweise er mir nicht erklärt hat. Er hat mir verschwiegen, dass ich einen schlimmen Bandscheibenvorfall habe. Und zu den Schmerzen im Knie, meinte er abfällig: “Damit habe ich nichts zu tun, gehen Sie zum Orthopäden! Die Termine für die Spritzen bekommen sie am Tresen, auf Wiedersehen.” Das hat sogar meinem Lebensgefähten die Sprache verschlagen. So viel Arroganz und Unfreundlichkeit und Inkompetenz in einer Person, das ist schon rekordverdächtig!!! 

Die Termine für die Spritzen bekam ich übrigens zwei Wochen später. Das heißt ich sollte noch 14 Tage mit diesen Schmerzen leben? Damit ihr euch vorstellen könnt, wie stark die Schmerzen waren, bringe ich einige Beispiele. Ich habe jeden Tag 4 x 2 Tabletten Novaminsulfon , dreimal am Tag Ibuprofen 600 und zusätzlich zweimal am Tag Tramadol genommen. Das alles hat den Schmerz nur geringfügig gelindert. Besonders nachts waren die Schmerzen sehr schlimm, sodass ich gestöhnt und geweint habe und mein Lebensgefährte hilflos vor mir stand und bei allem mit – leiden, mich gegen meinen Willen ins Krankenhaus bringen wollte. Ich bin buchstäblich die Wände hochgegangen vor Schmerzen. Nach diesem schauerlichen Erlebnis bei dem Neurochirurgen, bin ich wieder zu meiner Schmerzärztin gegangen. Denn wo sollte ich auch anders hin? Und tatsächlich hatte sie die rettende Idee: Dann gehen Sie jetzt ins Krankenhaus! 

Inzwischen war ich soweit, dass ich das auch wollte. Sie empfahl mir ein Krankenhaus mit einer Neurologie und Neurochirurgie, nicht Orthopädie, wie man bei einem Bandscheibenvorfall vermuten mag. Erleichtert kam ich nach Hause, rief in dem von ihr empfohlen Krankenhaus an, um einen Termin für eine stationäre Behandlung auszumachen. Was dann geschah war wirklich bitter. Ich war kaum in der Lage zu telefonieren, weshalb mein Lebensgefährte das für mich übernahm. Die Klinik bot mir einen Platz Mitte Februar an, was bedeutet hätte, dass ich noch drei Wochen mit diesen unerträglichen Schmerzen leben sollte! Wir haben beide wie wild telefoniert, um in irgendeinem anderen Krankenhaus in dieser großen Stadt ein Bett zu bekommen: null Chance! Auf Rat meiner Ärztin fuhren wir in die nächste Rettungsstelle. In meinem Fall ist das das Urbankrankenhaus. Die Notaufnahme war pickepacke voll, mindestens 30 bis 40 Leute saßen im Wartebereich. Mich haben sie bei der Anmeldung wieder weggeschickt. Könnt ihr euch meine Verzweiflung vorstellen?  

 Ich habe mit Mühe und Not eine letzte schmerzhafte Nacht zuhause überstanden und bin am nächsten Tag in die Rettungsstelle in das Bundeswehrkrankenhaus gefahren. Das war ein Tipp von meiner Physiotherapeutin und ich bin ihr unendlich dankbar. Ich wurde schnell und freundlich behandelt und nach etwa zwanzig Minuten wurde mir eine stationäre Behandlung angeboten. Meine Rettung! Ich hätte heulen können. Wer hätte gedacht, dass ich jemals glücklich sein werde, weil ich endlich im Krankenhaus bin? Allerdings war die Information des Arztes zunächst ein Schock: ich habe einen besonderes fiesen Bandscheibenvorfall,der sich nach oben wölbt und sie können nicht sagen, ob sie das konservativ behandeln können. Wenn das nicht funktioniert, müsse ich operiert werden. Das musste ich erst mal verdauen.

Im Bundeswehrkrankenhaus habe ich das Gegenteil von dem erlebt, was ich bisher beschrieben habe. Alle Menschen von dem Pflegepersonal, den Ärzten, über die Putzfrau, waren alle sehr freundlich, empathisch und super kompetent. Ich bekam Schmerzmittel intravenös über einen Tropf und nach drei Tagen eine sogenannte PRT Spritze. Nach vier Tagen war ich fast schmerzfrei und konnte ein wenig über den Gang hin und her laufen. Am nächsten Tag wurde ich entlassen. 

Meine Tasche ist gepackt, ich sitze im Krankenhauszimmer am Tisch und warte auf meinen Lebensgefährten, der mich gleich abholen wird. Ich plaudere ein wenig mit der Putzfrau, die das  Bett für die nächste Patientin vorbereitet. Nach den vier Tagen, die ich hier verbracht habe, kennen wir uns schon ein wenig. Plötzlich hält sie in ihrer Arbeit inne, schaut mich an und sagt „Darf ich Sie mal etwas persönliches fragen? Sie sind doch mit großen Schmerzen hier in der Rettungsstelle angekommen, oder? Dabei haben Sie so ruhig und entspannt gewirkt, wie machen Sie das? Da habe ich schon ganz andere Sachen erlebt.”  Ich muss ein bisschen schmunzeln und freue mich über ihre Beobachtung und nehme das als Kompliment. “Ich bin chronische Schmerzpatientin und habe den Umgang mit Schmerzen gelernt” 

Tatsächlich habe ich den Eindruck, dass ich trotz diese heftigen Diagnose relativ schnell wieder auf einem guten Weg bin. Das hat einerseits damit zutun, dass ich sehr schnell gehandelt und viele Möglichkeiten genutzt habe. Manche Ärzte nennen so ein Verhalten un-fairerweise auch “Arzt – shopping”. Auf einige wenige Menschen trifft das mit Sicherheit zu, bei einer derart schlechten Behandlung durch verschiedene Ärzte, wie ich es erlebt habe, klingt das allerdings zynisch und abwertend. Ich bin jedenfalls froh, dass ich auf diese Art gut für mich gesorgt habe. Durch meine chronische Erkrankung bin ich geübt und habe viel Erfahrung im Umgang mit Ärzten und auch mit Schmerzen.

Ich habe diesen Beitrag auch geschrieben, um euch zu ermutigen. Verlasst euch nicht zu sehr auf die Ärzt*innen und kämpft um eurer Recht auf würdevolle Behandlung!