Im Juni 2018 war ich zwei Wochen stationär im Immanuel Immanuel Krankenhaus Berlin in der Abteilung für Naturheilverfahren. Ich hatte über schon eine geraume Zeit darüber nachgedacht, ob ich in dieses Krankenhaus gehen sollte. Vor allem in der sogenannten Komplementärtherapie mit dem Schwerpunkt Naturheilverfahren hat mich interessiert. Allerdings war ich mir sehr unsicher, da das Klinikgebäude schon recht alt und marode ist und nur über Dreibettzimmer mit Gemeinschaftsbad auf dem Korridor verfügt. Ich habe vor einem halben Jahr eine Freundin dort besucht und fand die Stationen, die Behandlungsräume, sowie die Aufenthaltsräume überhaupt nicht ansprechend. Jedes Mal, wenn ich mir vorgestellt habe hier zwei Wochen zu verbringen, habe ich an meine schlaflosen Nächte gedacht und daran, dass ich die anderen stören und ich mich selber sehr unwohl fühlen werde.

Nachdem ich das gesamte Frühjahr mit enormen Nebenwirkungen der Opiate zu kämpfen hatte, habe ich allerdings keinen anderen Ausweg gesehen. Ich wusste, dass ein Teil der Therapie in der in der Klinik das Heilfasten ist. Meine Idee war die Opiate abzusetzen und gleichzeitig meinen Körper zu entgiften. Kurzentschlossen schrieb ich eine E – Mail an die Klinik und fragte nach einer möglichen stationären Aufnahme im Juni. Das Immanuel Krankenhaus ist sehr beliebt, weshalb ich nicht damit gerechnet habe so schnell einen Termin zu bekommen. Aber ich hatte Glück, meine E-Mail wurde innerhalb einiger Tage beantwortet und ich bekam einen Termin vorgeschlagen.

Ich sagte zu, ohne konkret darüber mit meiner Ärztin gesprochen zu haben. Diese gab mir jedoch ohne weiteres eine Einweisung für die stationäre Aufnahme. Vielleicht habe ich etwas Glück gehabt, aber ich glaube, dass das der einfachste Weg ist um einen Bettenplatz in der Klinik zu bekommen. Telefonisch ist die Klinik sehr schwer zu erreichen, aber per Mail ging das alles ganz einfach und ich bekam die Aufnahmepapiere sowie eine Liste, was ich alles mitbringen soll, zugeschickt.

Mit zwei großen Koffern und einer gewissen Angst im Gepäck stand ich am 15. Juni am Tresen an der Aufnahme und ließ mich auf dieses Abenteuer ein. Die Stationsschwester zeigte mir mein Zimmer und kurz darauf hatte ich auch schon das Aufnahmegespräch bei der Ärztin. Diese hat mich in meinem Vorhaben, meine Tabletten zu reduzieren, sofort unterstützt und gemeinsam das Vorgehen besprochen. Außerdem bekam ich einen ersten Therapieplan. Darauf folgte auch schon die erste Behandlung an diesem Tag.

Am dritten Tag begann ich zu fasten. Zum Glück war ich damit nicht alleine, denn die meisten Patienten auf der Station für Naturheilverfahren, fasten auch. Manche von ihnen sind nicht das erste Mal da. Sie kommen seit mehreren Jahren regelmäßig zum Heilfasten und für die anderen Therapien in das Immanuel Krankenhaus.  Die ersten drei Tage waren für mich sehr schlimm, schlimmer als ich mir vorgestellt hatte. Ich habe des Öfteren in meinem Leben gefastet, aber so schlecht ging es mir noch nie!

Der Grund dafür war der Entzug von den Tabletten. Dass der Entzug nicht einfach werden würde, war mir klar und das kannte ich ja auch schon, da ich im Jahr 2015 das Tilidin abgesetzt habe. Bei dem Oxycodon, das Opiat was ich nun absetzen wollte, handelt es sich allerdings um ein stärker dosiertes Opiat. Dementsprechend stärker waren wohl auch die Entzugserscheinungen. Ich litt unter starken Schlafstörungen, innerer Unruhe, Übelkeit und Erbrechen. Über mehrere Tage hatte ich starke Migräne. Vor allem die Nächte waren ganz schlimm und wäre ich nicht so liebevoll und fürsorglich von den Nachtschwestern betreut worden, ich weiß nicht ob ich das geschafft hätte.

Wie ein Tiger im Käfig lief ich für Nacht für Nacht den Gang rauf und runter, immer in der Hoffnung bald wieder schlafen zu können, voller Unruhe und Nervosität. Alle Glieder taten mir weh, die Beine waren schwer, die Müdigkeit kam in großen Wellen und trotzdem fand ich nicht in den Schlaf. Tagsüber war ich mich völlig ausgelaugt und erledigt und hatte immer noch mit entsetzlicher Übelkeit zu kämpfen. Trotzdem bemühte ich mich meine Therapien zu machen, das heißt zur Massage zu gehen, Frühsport zu machen, schwimmen zu gehen und in die Kältekammer. Ich habe das alles irgendwie geschafft. Zwischendurch habe ich immer noch nicht geschlafen, stattdessen habe ich versucht mich abzulenken,hauptsächlich durch lesen.

Meine meine Zimmergenossin waren mir eine große Hilfe. Das Zimmer zu dritt zu teilen, war für mich gar kein Problem, im Gegenteil. Wir haben uns super verstanden, uns gegenseitig unterstützt und ab und zu viel dabei gelacht.

Eins steht fest: Zu Hause und alleine hätte ich diesen Entzug nie geschafft! Ich habe insgesamt fünf Tage gefastet und dann langsam wieder angefangen zu essen. Und obwohl ich so gelitten habe, hat mir das Fasten insgesamt sehr gut getan. Meiner Meinung nach hat es auch die Entgiftung unterstützt.

Vielleicht habe ich nicht hundertprozentig von dem Klinikaufenthalt profitiert, weil der Entzug vom Opiat mein Krankheitsbild verstärkt hat. Wäre ich mit einem für mich “normalen” Krankheitsbild ins Immanuel Krankenhaus gekommen, wäre mein Zustand zum Zeitpunkt der Entlassung mit Sicherheit besser gewesen. Trotzdem kann ich das Immanuel Krankenhaus nach meinen Erfahrungen hundertprozentig empfehlen.

Neben dem Heilfasten bietet die Klinik viele Anwendungen aus der Natur und andere alternativen Heilweisen an. Dazu gehört das Schröpfen, die Behandlung mit Blutegeln, Akupunktur und die Kältekammer. Ein weiterer Schwerpunkt der Klinik ist die sogenannte Ordnungstherapie oder auch MBSR genannt. Nicht zu vergessen ist die Lage der Klinik: direkt am Kleinen Wannsee gelegen mit einem wunderschönen Park und vielen Möglichkeiten einen ruhigen Ort zu finden, ist das Immanuel Krankenhaus viel schöner, als der erste Eindruck, den es macht.

Meine zwei Wochen in der Klinik waren sehr intensiv und hilfreich. Für mich war es ein besonderer Aufenthalt, weil ich in der Klinik endlich mit Menschen in Kontakt gekommen bin, die auch Fibromyalgie haben. Ich fühlte mich bestätigt in dem was ich täglich erlebe, meine Schmerzen, die Erschöpfung, die Müdigkeit und die Verzweiflung. Es war, als könnte ich in einen Spiegel sehen.

Ich saß plötzlich Menschen gegenüber, die wie ich, überhaupt nicht krank aussehen, im Gegenteil! Menschen mit gesund Gesichtsfarbe, einer gesunden Ausstrahlung, fröhlichen Menschen, denen man die Erschöpfung und die Schmerzen nicht ansieht. Dabei haben die meisten von ihnen, so wie ich, einen langen Leidensweg hinter sich.