Wünsche und Erwartungen – wie kann es gelingen eine realistische Haltung dazu zu bekommen und mit den eigenen Entäuschungen zurecht zu kommen?

Ich liege am Strand, höre meine kretische Lieblingsmusik, der Wind pfeift mir um die Ohren, über mir graue Wolken, das Meer tost, die Wellen schäumen – ob es wohl ein Gewitter gibt? Das Wetter passt zu meiner Stimmung. Düstere Gedanken und Gefühle tosen in mir, ich bin innerlich aufgewühlt, finde keine Ruhe, mir ist zum Weinen zumute. Was macht mich eigentlich so traurig? Warum bin ich so verdammt unzufrieden? Ich sage mir selber: „Mensch genieße das alles doch mal, du hast URLAUB! Du kannst hier in der Sonne liegen und schwimmen gehen, während andere in dem kalten Berlin zur Arbeit gehen müssen! Wie kann man nur so undankbar sein!!!!!“

Mit einer chronischen Erkrankung wie der Fibromyalgie zu reisen ist nicht einfach. Erst recht nicht, wenn Erwartungen und Wünsche an Reise geknüpft werden, wie eine mögliche Linderung der Schmerzen und Besserung der Symptome. In meinem Fall ist es mein ganzes Umfeld, alle meine Lieben haben die Hoffnung, es möge mir hier besser gehen. Drei Wochen Sonne und Meer, wer denkt da nicht an Entspannung und Erholung?

Auch ich fahre mit einer gewissen Hoffnung oder Erwartung in den Urlaub und insbesondere dann, wenn wir nach Kreta fahren. Die Sonne, die Wärme und das häufige Schwimmen möge meine Schmerzen lindern. Ich weiß aber inzwischen, dass ich meine eigenen Wünsche und Hoffnungen diesbezüglich nicht zu hoch hängen darf.

Aber mit der eigenen Enttäuschung zu leben, ist das eine, damit komme ich gut zurecht, daran habe ich mich schon gewöhnt. Was mich viel mehr belastet ist die Enttäuschung der Anderen. Ihre Hoffnung und Wünsche mir möge es besser gehen, wird jeden Tag enttäuscht. Jeden Tag werde ich auf’s Neue gefragt: “Und geht es dir besser?“ Insgeheim denken sie aber vielleicht: „Es ist doch so schön hier – da muss es dir doch verdammt noch mal besser gehen! Jetzt entspann dich doch einfach mal!“ Die Antwort lautet stattdessen: „Bestimmt geht es dir in ein paar Tagen besser, du musst dir nur Zeit geben“.

„Im Grunde bin ich eine Belastung für die Anderen. Ich bin schuld daran, dass sie sich nicht entspannen und erholen können.“

So oder so ähnlich fühle ich mich manchmal. Und ich fange an die Fragen nach meiner Befindlichkeit zu hassen. Für immer Schmerzen zu haben und zwar auch im Urlaub, ist schlimm genung. Was würde ich geben für einen schmerzfreien Urlaub? Wie fühlt sich das an: schwimmen gehen, in der Sonne liegen und lesen oder abends in einer geselligen Runde zu spielen? Und zwar schmerzfrei? Wie fühlt sich das an morgens wach zu werden und einfach nur erholt und entspannt zu sein? Das muss wunderschön sein! Wenn doch meine Wünsche Wahrheit werden könnten!

Im Gegensatz dazu wache ich oft mit noch mehr Schmerzen auf, als zu Hause, weil die Matratze nicht auf mich abgestimmt ist. Meine steifen Glieder wieder in Bewegung zu bringen gelingt mir nur, weil ich nur ein paar Schritte vom Meer entfernt bin und vor dem Frühstück schwimmen gehen kann.

Niemand, der nicht selber krank ist, kann sich vorstellen wie schmerzhaft es ist all die gesunden Menschen um sich herum zu sehen, sie reden zu hören und zu erleben, wie glücklich sie von einer Wanderung zurück kommen.

Wenn ich nicht diese wundersame Begegnung mit Karim gehabt hätte, der mir ein „Treatment“ angeboten und auch ein bisschen die Augen geöffnet hat, wäre ich nicht so schnell aus meinen deprimierten Zustand heraus gekommen. Er hat mich nicht nur behandelt, sondern mir eine Reihe von Ernährungstipps und Anwendungen für zu Hause gegeben. Er und seine Frau Sylvie,  die zusammen in der Schweiz ein  Restaurant betreiben, sind eine der schönen Ereignisse hier auf Kreta. Wir werden sie ganz sicher bald besuchen.